11. Januar 2021

„Lächeln Sie! Es irritiert die Menschen.“

5 Fragen an Moritz Freiherr Knigge

  1. Was sage ich als Architekt den Kunden, die ein Schloss wünschen, aber ein Budget für ein Schrebergartenhäuschen haben?

Was Schlösser im Unterhalt kosten. Und einem sprichwörtlich die Haare vom Kopf fressen. Ständig muss was erneuert werden. Und erst die Heizkosten oder der Lohn für die Bediensteten, wo doch gutes Personal so schwer zu finden ist. Hilft auch das nicht, würde ich auf den Geist verweisen, der seit 250 Jahren sein Unwesen treibt und nachts kopflos heulend durch die Gänge des Schlosses streift.

 

  1. Wie bleibe ich als Vermieter gelassen, wenn meine Mieter möchten, dass ich bei jeder kaputten Glühbirne zu Hilfe eile?

Gelassenheit ist die Mutter der Höflichkeit. Freundlich bleiben, auf die wechselseitigen Rechte und Pflichten verweisen. Und diese auch vorleben. Humorvoll sein, ohne sarkastisch zu werden. Die Einfachheit der angefragten Arbeit herausstellen und als Beweis und Zeichen der eigenen Mühe eine kleine Gebrauchsanweisung mit an die Hand geben, was man wie alleine machen kann. So stärkt man gleichermassen die Beziehung zwischen Vermieter und Mieter als auch die Selbstverantwortlichkeit der letzteren.

 

  1. Wie begegne ich meinem Nachbar im Hausgang, nachdem wir uns am Abend zuvor bei der Stockwerkeigentümer-Versammlung an die Gurgel gegangen sind?

Man sagt ja: Die Zeit heilt alle Wunden. Zumindest hilft sie ein wenig, runter zu kommen. Und die Gelegenheit des Treffens im Hausgang für eine freundliche Begrüssung zu nutzen. Ganz ohne Gurgel. Frei nach meinem Lieblingsmotto zur Freundlichkeit: Lächeln Sie! Es irritiert die Menschen.

  1. Wie stelle ich als Immobilienplaner Augenhöhe zu den Investoren her?

In hierarchischen Beziehungen Augenhöhe herzustellen, ist immer eine Frage der Souveränität. Sprich dem Umgang mit dem Überraschenden und manchmal auch Unangenehmen. Macht kann zum Beispiel sehr unangenehm werden. Wenn sich die einen ohnmächtiger machen, als sie sind, und die anderen es nicht mehr gewohnt sind, dass auch andere Menschen Kluges zu sagen haben.

 

  1. Sind Menschen, die auf dem Land wohnen, grundsätzlich höflicher als Menschen, die in der Stadt leben?

Ich komme ja selbst vom Land und tatsächlich mache ich die Erfahrung, dass Menschen, wenn sie einander begegnen, sich auf dem Land ganz selbstverständlich begrüssen. Das ist in der Stadt natürlich anders. Ein älterer Herr – ebenfalls vom Land – erzählte mir mal nach einem Vortrag, wie seine Mutter ihn als kleinen Jungen dafür gemassregelt hat, dass er in der Stadt allen Menschen, die ihm begegneten, eine guten Tag wünschte. Ich fragte ihn: „Und, wie haben die Menschen reagiert?“ Er antwortete: „Überrascht, aber sehr freundlich.“ Die Menschen sind also auf dem Land und in der Stadt höflich, dachte ich. Zumindest, wenn man Ihnen selbst höflich begegnet. So wie der junge ältere Herr.  Da ich selbst eine gute Zeit in Berlin gelebt habe, kann ich das sogar für die berühmte Berliner Schnauze bestätigen: Auch in der Stadt gilt eben: Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.