07. Dezember 2021

„So komme ich aus der Ohnmacht in die Selbstwirksamkeit“

5 Fragen an Luise Deiters

  1. Nur wer sich entscheidet, verändert etwas: In unserem Architekturbüro bin ich der Chef. Warum soll ich andere entscheiden lassen und für Veränderungen sorgen?

Die Welt wird komplexer und schnelllebiger, damit verändert sich auch der Kontext in welchem Sie Ihre Dienstleitungen erbringen. Ein Unternehmen sollte diese Veränderung antizipieren und sich rechtzeitig anpassen, um motivierte und kompetente Fachkräfte zu halten sowie um zeitgemässe und qualitative Dienstleistungen für die Kunden zu erbringen. Eine Person alleine kann bei so viel Komplexität und Veränderung kaum mehr den Überblick behalten. Ich bin überzeugt, dass Unternehmen den Herausforderungen der modernen Welt nur mit mitdenkenden und auch mitentscheidenden Mitarbeitenden gewachsen sind. Entscheidungen, die gemeinsam getroffen werden, werde zudem auch gemeinsam getragen.

 

  1. Als Immobilienmakler macht mir die Zukunft etwas Bauchweh. Wie soll ich unter dieser Voraussetzung diese Zukunft neu denken?

Gerade unter diesen Voraussetzungen muss ich aktiv werden. So komme ich aus der Ohnmacht in die Selbstwirksamkeit. Aus der persönlichen Ebene ist es wichtig, die Sorgen und Ängste wahrzunehmen und zu akzeptieren. Jeder Mensch, der es gut machen will, wird zwischendurch von Selbstzweifeln geplagt. Auf unternehmerischer Ebene kann Unterstützung von aussen hilfreich sein. Sei es nur, um die Ideen von Innen zu strukturieren und zu priorisieren oder bei Bedarf zu ergänzen.

 

  1. Bei unseren Stockwerkeigentümer-Versammlungen reagiere ich immer sehr emotional, es fällt mir schwer, sachlich zu bleiben. Was kann ich tun, um dauerhaft gelassener zu bleiben?

Manchmal reicht schon eine Haltungsänderung. Meistens werden wir emotional, weil wir uns durch das Gegenüber persönlich angegriffen fühlen. Die Haltung «niemand will mir etwas Böses, jeder schützt nur sich selbst» kann mir helfen, empathischer zu werden und damit auch sachlich zu bleiben.

  1. In meiner Arbeit als Immobilienplaner verzettle ich mich, habe Mühe, Prioritäten zu setzen, und mir gehen häufiger Dinge unter. Ich habe mich schon viel mit arbeitsorganisatorischen Themen auseinander gesetzt, es gelingt mir aber nicht ein neues System konsequent umzusetzen. Was kann mir helfen?

Verhaltensmuster zu verändern, braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Am Vielversprechendsten ist, sich eine konkrete Verbesserung vorzunehmen und diese während wenigstens drei Wochen zu trainieren, bevor ich die nächste Veränderung meines Arbeitssystem vornehme. Reminder können mir helfen, mich mehrmals am Tag an die neue Technik zu erinnern.

 

  1. Ich bin als Immobilienbewirtschafter ein Perfektionist. Das erschwert mir meinen Arbeitsalltag. Kann ich mich überhaupt verändern? Und wenn ja, wie?

Um sich nachhaltig zu verändern, hilft es, die Hintergründe meines Perfektionismus zu verstehen. Häufig ist dies eine Folge von tiefsitzenden Glaubenssätzen rund um die Zweifel des eigenen Selbstwerts. Bin ich genug, auch wenn ich Fehler begehe und unperfekte Arbeit abliefere? Durch verstärkten Einsatz versuchen viele, jeden Tag diesem inneren Gefühl des «Nichtgenügens» entgegen zu wirken. Diese Muster und die damit verbundenen Überzeugungen und Ängste im Alltag bewusst wahrzunehmen, ist ein erster wichtiger Schritt, sich davon zu befreien.