Prof. Dr. Andrea González im Interview: Nicht Eldorado, nicht Black Box
5 Fragen an Prof. Dr. Andrea González: «KI ist weder ein Eldorado noch eine Black Box»
Prof. Dr. Andrea González ist Leiterin der Kompetenzgruppe Smart Building Management am Institut für Facility Management der ZHAW Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft.
- Ist KI Eldorado oder Black Box für die Immobilienbranche?
Für mich ist KI weder ein reines El Dorado noch eine Black Box. KI ist ein sehr leistungsfähiges Werkzeug: aber eines, das man verstehen und richtig einsetzen muss. Richtig angewandt, bringt KI deutliche Effizienz- und Qualitätsgewinne, etwa bei Prognosen, Analysen oder automatisierten Prozessen. Gleichzeitig birgt sie Risiken durch mangelnde Transparenz, schlechte Datenqualität oder fehlende Governance. Gerade komplexe Modelle wie Deep Learning sind nicht immer leicht nachvollziehbar. Deshalb setzen wir an der ZHAW Departement Life Sciences und Facility Management stark auf erklärbare KI, klare Verantwortlichkeiten und die Kombination digitaler Systeme mit menschlicher Fachkompetenz.
- Wo bringt KI einen Nutzen?
KI stiftet vor allem dort Nutzen, wo grosse Datenmengen im Betrieb oder in der Bewirtschaftung anfallen. Im Gebäudebetrieb reduziert KI Energieverbrauch, Kosten und Emissionen: etwa durch Lastprognosen, adaptive Regelstrategien oder prädiktive Optimierungen. In der Bewertung und Marktanalyse erhöht KI die Datenqualität: Modelle, die Lage-, Text- und Bilddaten kombinieren, verbessern die Genauigkeit von Bewertungen und Prognosen. Auch im Asset-, Property- und Facility-Management unterstützen KI-gestützte Analysen, automatisierte Workflows und Ausfallprognosen den effizienten Betrieb von Immobilien. Schliesslich profitieren auch Nutzer – etwa durch personalisierte Services oder Chatbots, die Kommunikation und Kundenerlebnis verbessern) Unsere Smart-Building-Management-Gruppe an der ZHAW untersucht genau diese Anwendungen: von der strategischen Ebene bis zum operativen Gebäudebetrieb: also aus der Portfolio-, Asset- und Facility Management-Perspektive.
- Wie können sich Unternehmen digitale Intelligenz aneignen?
Erfolgreiche Unternehmen starten nicht bei der Technologie, sondern bei klar priorisierten Anwendungsfällen. Die wichtigste Grundlage ist eine verlässliche Daten- und IoT-Infrastruktur: also die Fähigkeit, Betriebs-, Gebäude- und Nutzungsdaten sauber zu erfassen und zu verbinden. Danach braucht es interdisziplinäre Kompetenzen: Immobilienwissen, Data Science und IT müssen zusammenarbeiten. Weiterbildung spielt dabei eine zentrale Rolle.
- Welche Akzeptanz von KI erkennen Sie in der Immobilienbranche? Welche KI-Tools werden aktuell am häufigsten genutzt?
Die Akzeptanz von KI wächst, aber sehr unterschiedlich schnell. Grössere, professionell organisierte Portfoliohalter sind deutlich weiter als kleinere Verwaltungen oder Eigentümergemeinschaften. Hürden sind vor allem kulturelle Vorbehalte, Datenschutzfragen und oft eine unzureichende Datenqualität. In der Praxis werden KI-Modelle heute vor allem für Bewertungen, Marktprognosen, Energieoptimierung, Anomalie-Erkennung und Ausfallprognosen im Facility Management eingesetzt. Auch generative KI, etwa für Texte, Exposés oder Chatbots, verbreitet sich stark.
- Ihre Empfehlung: Wieviel Prozent ihres Umsatzes sollten Immobilienunternehmen heute in KI investieren?
Die Forschung vermeidet fixe Prozentvorgaben, aber sie zeigt klar: Kontinuierliche Investitionen in digitale Technologien sind ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Für viele Immobilienunternehmen ist eine Grössenordnung von 2 bis 5 % des Jahresumsatzes für datengetriebene Digitalisierung und KI oft sinnvoll – inklusive Infrastruktur, Weiterbildung und Pilotprojekte. Unternehmen mit hohem Innovationsfokus oder starkem Wachstum investieren zeitweise auch 5 bis 10 %, vor allem wenn, sie Datenplattformen oder Smart Building-Systeme aufbauen. Entscheidend ist weniger die genaue Zahl als die Frage, in welche Technologie investiert wird, also ob in Datenqualität, Automatisierung, Energiemanagement oder KI-gestützte Analyse.

Prof. Dr. Andrea González ist Leiterin der Kompetenzgruppe Group Smart Building Management am Institut für Facility Management der ZHAW Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft. Sie verfügt über mehr als 15 Jahre internationale Erfahrung in den Bereichen Städtebau, Immobilienentwicklung, Architektur, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Besonderen Fokus legt sie auf innovative Smart-Building-Strategien. Ihre Führungserfahrung reicht von der Projektleitung in Immobilienentwicklungsunternehmen bis zur Gesamtverantwortung als Head of Real Estate und Architektur bei der Firma Uster AG. Parallel zu ihrer praktischen Tätigkeit engagiert sie sich seit vielen Jahren in Forschung und Lehre. Sie hat in Madrid an der Universidad Politécnica studiert, in Madrid und Tokyo doktoriert und an der ETH in Zürich und an der Universität Liechtenstein Postdocs absolviert.