Jürgen Lutz & Roland Brunner

Jürgen Lutz und Roland Brunner im Interview: Informationen lückenlos vernetzen

5 Fragen an Jürgen Lutz und Roland Brunner: «Der kompetente Umgang mit KI-Technologien muss erlernt und weiterentwickelt werden »

 

Jürgen Lutz ist Head Asset Management für Real Estate Deutschland, Österreich und Schweiz (RE-DACH), Roland Brunner ist Head Platform and Data EMEA, beide aus dem Bereich UBS Asset Management Global Real Assets (GRA).

 

  1. Ausgaben senken, Einnahmen erhöhen: Ist dies für Immobilieneigentümer mithilfe von KI umsetzbar? Wie kann das erfolgen?

Sowohl bei uns als auch bei unseren Partnern gibt es vielfältige zeitaufwendige administrative Abläufe, die durch den Einsatz generativer KI effizienter gestaltet werden könnten. Die derzeit grössten Potenziale sehen wir in der Automatisierung und Qualitätssicherung von Bewirtschaftungs- und Back-Office-Prozessen. Moderne Technologien wie generative KI sowie agentenbasierte Systeme bieten bereits heute die Möglichkeit, Tätigkeiten wie Protokollierung, E-Mail-Analyse, Informationsrecherche, Korrespondenz oder Übersetzungen ressourcenschonend und wirkungsvoll zu unterstützen. Zudem können Anlageentscheidungen und Preisgestaltung durch datenbasiertes maschinelles Lernen verbessert werden. Das wäre zum Beispiel eine Unterstützung für die Analyse von Kaufobjekten, die Identifikation von Ausnutzungsreserven, die Investitionsplanung – unter anderem der Ausfallrisiken und der Baukosten –, das ESG-Reporting sowie die Überwachung regionaler Bauvorschriften.

 

  1. Wie hoch würden Sie den Mehrwert von KI für Immobilien in der Schweiz quantifizieren?

Der Markt kann eindeutig von KI profitieren. Zentral dafür ist das Potential in den Backoffice- und Betriebsprozessen. Um es nutzen zu können, muss die Branche noch stärker an der unternehmensübergreifenden Digitalisierung arbeiten. Wir sehen aber auch bereits jetzt erfolgreiche Ansätze. Beispielsweise können Leerstände durch schnellere, weniger kostenintensive Vermarktungsprozesse reduziert werden.

 

  1. Welche nächsten Entwicklungsschritte erwarten Sie?

Wie in vielen Branchen steht auch die Immobilienindustrie am Anfang der KI-Adoption. Öffentliche KI-Systeme ohne organisationsinternes Wissen werden bereits genutzt, und das wird sich weiter verstärken. Um weitergehende Optimierungen zu erzielen, müssen jedoch Abläufe noch flächendeckender digitalisiert und Informationen möglichst lückenlos miteinander vernetzt werden. KI-Anwendungen basieren auf gut strukturierten IT-Systemen, sodass wir Informationen noch konsequenter dort statt auf Papier oder in klassischen Computer-Dateien bündeln müssen. Mit wachsender KI-Kompetenz sowie den notwendigen Sicherheitsmechanismen ist denkbar, dass später interne IT-Systeme mit KI-Systemen verbunden und auch für externe Partner zugänglich gemacht werden können. Dafür müssen wir die Bedingungen des Zusammenarbeitens stringent definieren. Zudem dürften die rechtlichen Grundlagen mit der Zeit noch klarer werden.

 

  1. Wo sehen Sie aktuell die Grenze zwischen Potenzial und tatsächlicher Nutzung von KI im Immobiliensektor?

Es gibt bereits viele positive Beispiele, die den praktischen Nutzen zeigen. Dieser ist insbesondere dort hoch, wo klar umrissene und datengetriebene, wiederkehrende Aufgaben vorliegen. KI wird beispielsweise in Vertragsangelegenheiten bereits eingesetzt. Das gilt beispielsweise für das Auffinden relevanter Paragrafen, die Überwachung von Fristen und die Formulierung von Standardkommunikation. Chatbots und KI erleichtern die Mieterkommunikation sowie die Rechnungsverarbeitung und zählen damit bereits zu den reifsten KI-Anwendungen im Immobilien-Management. Generative KI-Modelle kommen teilweise auch in der Immobilienvermarktung für Inserate, Bildvarianten und einfache A/B-Tests zum Einsatz. Die Vorteile liegen insbesondere in der Zeitersparnis und gleichbleibenden Qualität. Ein nachhaltiger Mehrwert entsteht jedoch erst durch die Verknüpfung dieser Inhalte mit zuverlässigen Datenquellen und einem transparenten Prüfungsprozess, um Qualitäts- und Vertrauensrisiken effektiv zu mitigieren. Viele Software-Anbieter legen den Schwerpunkt derzeit noch auf Chatbots, deren praktischer Nutzen häufig begrenzt bleibt. Agentenbasierte Automatisierungen sind bislang noch wenig verbreitet.

 

  1. Welche Investitionen in KI sind empfehlenswert?

Damit das Potenzial voll ausgeschöpft werden kann, muss die Branche Daten organisationsintern und in der Zusammenarbeit mit externen Partnern noch konsistenter strukturieren sowie KI in alltägliche Arbeitsabläufe integrieren. Investitionen sollten deshalb vorrangig in die Verbesserung der Datenqualität, die Schnittstellenoptimierung und die Agenten-Automatisierung auf Basis integrierter Workflows fliessen. Ebenso wichtig ist eine zielgerichtete Schulung der Mitarbeitenden, denn der kompetente Umgang mit KI-Technologien muss erlernt und kontinuierlich weiterentwickelt werden. Schlussendlich eröffnet die KI-Nutzung auch technologische und operative Risiken. Wer auf KI-Einsatz setzt, muss sich deshalb zwingend mit den rechtlichen und sicherheitsbedingten Aspekten auseinandersetzen.

Jürgen Lutz ist seit Februar 2020 als Head Asset Management für Real Estate Deutschland, Österreich und Schweiz (RE-DACH) innerhalb von UBS Asset Management Global Real Assets (GRA) tätig. In dieser Funktion trägt er die Gesamtverantwortung für sämtliche Prozesse rund um die strategische Positionierung der Immobilien, Vermietung und Service sowie Betrieb über alle Investmentprodukte und Mandate von RE-DACH hinweg. Darüber hinaus verantwortet er die Steuerung und Kontrolle der externen, von Real Estate Switzerland beauftragten Property Manager. Er ist Mitglied des Führungsteams von UBS Asset Management Real Estate DACH. Vor seiner aktuellen Position leitete Jürgen Lutz von 2017 bis 2020 das Asset Management für Real Estate Switzerland. Bereits seit Januar 2015 ist er bei UBS tätig, zunächst als Real Estate Asset Manager für die Schweiz mit Schwerpunkt auf strategischer Vermietung und Mieterbeziehungen. Er ist qualifiziertes Mitglied der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS), verfügt über einen Master in Real Estate Management der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich, ist eidg. dipl. Immobilien-Treuhänder, besitzt ein Höheres Wirtschaftsdiplom sowie ein Certificate of Advanced Studies in Immobilienbewertung der Hochschule Luzern.

Roland Brunner ist seit Januar 2021 bei UBS innerhalb von UBS Asset Management Global Real Assets (GRA) tätig als Head Platform and Data EMEA tätig. In dieser Funktion verantwortet er die strategische Weiterentwicklung sowie den operativen Betrieb der Business-Applikationen der Immobilien-Investment-Teams in der Region EMEA. Zusammen mit seinem Team führt er IT-Projekte, koordiniert interne und externe Entwicklungspartner, schafft die Grundlagen für Technologie-getriebene Innovation und setzt Automatisierungsprojekte in Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen um. Vor seiner aktuellen Position arbeitete Roland Brunner als Manager bei Synpulse Management Consulting AG mit Fokus auf den Themen Core Banking Transformation, API Driven Architecture und Projektmanagement sowie als Cloud und Data Center Solution Architect bei Swisscom.