Ausblick auf das SVIT five Real Estate Symposium 2026 im Magazin Immobilia
Real Estate Intelligence ist ein dynamischer Prozess, kein statischer Zustand. Beim Real Estate Symposium 2026 von Donnerstag, 26. März, im Kongresshaus in Zürich, werden die Referentinnen und Referenten gemeinsam mit dem Publikum praxisnah diskutieren, wie künstliche Intelligenz bereits heute in der Immobilienbranche eingesetzt wird und welche konkreten Anwendungsmöglichkeiten sie für die Zukunft bietet. Dabei werden nicht nur die Chancen beleuchtet, sondern auch die Herausforderungen und Risiken, die es zu meistern gilt, um KI gezielt und erfolgreich in der Praxis zu nutzen. Das Magazin Immobilia gibt in der aktuellen Ausgabe einen Einblick in das Programm des SVIT five Real Estate Symposiums 2026 und lässt die Referentin und die Referenten zu Wort kommen.
5 Fragen an Jürgen Lutz und Roland Brunner: «Der kompetente Umgang mit KI-Technologien muss erlernt und weiterentwickelt werden»
Jürgen Lutz ist Head Asset Management für Real Estate Deutschland, Österreich und Schweiz (RE-DACH), Roland Brunner ist Head Platform and Data EMEA, beide aus dem Bereich UBS Asset Management Global Real Assets (GRA).
- Ausgaben senken, Einnahmen erhöhen: Ist dies für Immobilieneigentümer mithilfe von KI umsetzbar? Wie kann das erfolgen?
Sowohl bei uns als auch bei unseren Partnern gibt es vielfältige zeitaufwendige administrative Abläufe, die durch den Einsatz generativer KI effizienter gestaltet werden könnten. Die derzeit grössten Potenziale sehen wir in der Automatisierung und Qualitätssicherung von Bewirtschaftungs- und Back-Office-Prozessen. Moderne Technologien wie generative KI sowie agentenbasierte Systeme bieten bereits heute die Möglichkeit, Tätigkeiten wie Protokollierung, E-Mail-Analyse, Informationsrecherche, Korrespondenz oder Übersetzungen ressourcenschonend und wirkungsvoll zu unterstützen. Zudem können Anlageentscheidungen und Preisgestaltung durch datenbasiertes maschinelles Lernen verbessert werden. Das wäre zum Beispiel eine Unterstützung für die Analyse von Kaufobjekten, die Identifikation von Ausnutzungsreserven, die Investitionsplanung – unter anderem der Ausfallrisiken und der Baukosten –, das ESG-Reporting sowie die Überwachung regionaler Bauvorschriften.
- Wie hoch würden Sie den Mehrwert von KI für Immobilien in der Schweiz quantifizieren?
Der Markt kann eindeutig von KI profitieren. Zentral dafür ist das Potential in den Backoffice- und Betriebsprozessen. Um es nutzen zu können, muss die Branche noch stärker an der unternehmensübergreifenden Digitalisierung arbeiten. Wir sehen aber auch bereits jetzt erfolgreiche Ansätze. Beispielsweise können Leerstände durch schnellere, weniger kostenintensive Vermarktungsprozesse reduziert werden.
- Welche nächsten Entwicklungsschritte erwarten Sie?
Wie in vielen Branchen steht auch die Immobilienindustrie am Anfang der KI-Adoption. Öffentliche KI-Systeme ohne organisationsinternes Wissen werden bereits genutzt, und das wird sich weiter verstärken. Um weitergehende Optimierungen zu erzielen, müssen jedoch Abläufe noch flächendeckender digitalisiert und Informationen möglichst lückenlos miteinander vernetzt werden. KI-Anwendungen basieren auf gut strukturierten IT-Systemen, sodass wir Informationen noch konsequenter dort statt auf Papier oder in klassischen Computer-Dateien bündeln müssen. Mit wachsender KI-Kompetenz sowie den notwendigen Sicherheitsmechanismen ist denkbar, dass später interne IT-Systeme mit KI-Systemen verbunden und auch für externe Partner zugänglich gemacht werden können. Dafür müssen wir die Bedingungen des Zusammenarbeitens stringent definieren. Zudem dürften die rechtlichen Grundlagen mit der Zeit noch klarer werden.
- Wo sehen Sie aktuell die Grenze zwischen Potenzial und tatsächlicher Nutzung von KI im Immobiliensektor?
Es gibt bereits viele positive Beispiele, die den praktischen Nutzen zeigen. Dieser ist insbesondere dort hoch, wo klar umrissene und datengetriebene, wiederkehrende Aufgaben vorliegen. KI wird beispielsweise in Vertragsangelegenheiten bereits eingesetzt. Das gilt beispielsweise für das Auffinden relevanter Paragrafen, die Überwachung von Fristen und die Formulierung von Standardkommunikation. Chatbots und KI erleichtern die Mieterkommunikation sowie die Rechnungsverarbeitung und zählen damit bereits zu den reifsten KI-Anwendungen im Immobilien-Management. Generative KI-Modelle kommen teilweise auch in der Immobilienvermarktung für Inserate, Bildvarianten und einfache A/B-Tests zum Einsatz. Die Vorteile liegen insbesondere in der Zeitersparnis und gleichbleibenden Qualität. Ein nachhaltiger Mehrwert entsteht jedoch erst durch die Verknüpfung dieser Inhalte mit zuverlässigen Datenquellen und einem transparenten Prüfungsprozess, um Qualitäts- und Vertrauensrisiken effektiv zu mitigieren. Viele Software-Anbieter legen den Schwerpunkt derzeit noch auf Chatbots, deren praktischer Nutzen häufig begrenzt bleibt. Agentenbasierte Automatisierungen sind bislang noch wenig verbreitet.
- Welche Investitionen in KI sind empfehlenswert?
Damit das Potenzial voll ausgeschöpft werden kann, muss die Branche Daten organisationsintern und in der Zusammenarbeit mit externen Partnern noch konsistenter strukturieren sowie KI in alltägliche Arbeitsabläufe integrieren. Investitionen sollten deshalb vorrangig in die Verbesserung der Datenqualität, die Schnittstellenoptimierung und die Agenten-Automatisierung auf Basis integrierter Workflows fliessen. Ebenso wichtig ist eine zielgerichtete Schulung der Mitarbeitenden, denn der kompetente Umgang mit KI-Technologien muss erlernt und kontinuierlich weiterentwickelt werden. Schlussendlich eröffnet die KI-Nutzung auch technologische und operative Risiken. Wer auf KI-Einsatz setzt, muss sich deshalb zwingend mit den rechtlichen und sicherheitsbedingten Aspekten auseinandersetzen.

Jürgen Lutz ist seit Februar 2020 als Head Asset Management für Real Estate Deutschland, Österreich und Schweiz (RE-DACH) innerhalb von UBS Asset Management Global Real Assets (GRA) tätig. In dieser Funktion trägt er die Gesamtverantwortung für sämtliche Prozesse rund um die strategische Positionierung der Immobilien, Vermietung und Service sowie Betrieb über alle Investmentprodukte und Mandate von RE-DACH hinweg. Darüber hinaus verantwortet er die Steuerung und Kontrolle der externen, von Real Estate Switzerland beauftragten Property Manager. Er ist Mitglied des Führungsteams von UBS Asset Management Real Estate DACH. Vor seiner aktuellen Position leitete Jürgen Lutz von 2017 bis 2020 das Asset Management für Real Estate Switzerland. Bereits seit Januar 2015 ist er bei UBS tätig, zunächst als Real Estate Asset Manager für die Schweiz mit Schwerpunkt auf strategischer Vermietung und Mieterbeziehungen. Er ist qualifiziertes Mitglied der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS), verfügt über einen Master in Real Estate Management der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich, ist eidg. dipl. Immobilien-Treuhänder, besitzt ein Höheres Wirtschaftsdiplom sowie ein Certificate of Advanced Studies in Immobilienbewertung der Hochschule Luzern.
Roland Brunner ist seit Januar 2021 bei UBS innerhalb von UBS Asset Management Global Real Assets (GRA) tätig als Head Platform and Data EMEA tätig. In dieser Funktion verantwortet er die strategische Weiterentwicklung sowie den operativen Betrieb der Business-Applikationen der Immobilien-Investment-Teams in der Region EMEA. Zusammen mit seinem Team führt er IT-Projekte, koordiniert interne und externe Entwicklungspartner, schafft die Grundlagen für Technologie-getriebene Innovation und setzt Automatisierungsprojekte in Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen um. Vor seiner aktuellen Position arbeitete Roland Brunner als Manager bei Synpulse Management Consulting AG mit Fokus auf den Themen Core Banking Transformation, API Driven Architecture und Projektmanagement sowie als Cloud und Data Center Solution Architect bei Swisscom.
5 Fragen an Roger Gygli: «Digitale Transformation scheitert selten an Technologie, sondern an fehlender Akzeptanz»
Roger Gygli ist Head Digital Transformation bei ISS Schweiz.
- Die Ansprüche heute in der Immobilienbranche sind: Persönliche Expertise, Daten und digitalen Lösungen zu fundierten Entscheidungsgrundlagen zu entwickeln. Wie gelingt das perfekte Ineinandergreifen dieser drei Faktoren?
Verlässliche Daten bilden die Grundlage fundierter Entscheidungen. Heute können sie aus unterschiedlichen Quellen gewonnen und intelligent aufbereitet werden. Digitale und KI-gestützte Lösungen wie beispielsweise #TalkToTheBuilding übersetzen diese Daten in verständliche Entscheidungsgrundlagen und machen komplexe Zusammenhänge transparent. Die Qualität der Entscheidung entsteht jedoch erst durch die persönliche Expertise der Stakeholder, die Daten richtig einordnen und mit Erfahrung, Marktkenntnis und strategischem Verständnis verknüpfen. So ergänzen sich Technologie, Daten und Mensch zu einer belastbaren und zukunftsfähigen Entscheidungsbasis.
- Immobilien sind sehr physisch: Was heisst in dieser physischen Welt «Digitalisierung von Liegenschaften»? Was bedeutet ein digitalisiertes Immobilienmanagement?
Die Digitalisierung von Liegenschaften bedeutet, die physische Immobilie als digitalen Zwilling abzubilden und dadurch erleb- und steuerbar zu machen. Mithilfe von IoT und Sensorik werden in Echtzeit Daten zu Belegung, Nutzung oder Energieverbrauch erfasst. Ein digitalisiertes Immobilienmanagement nutzt diese Informationen, um Betrieb, Flächennutzung und Services datenbasiert zu optimieren. Entscheidungen basieren nicht mehr allein auf Erfahrung, sondern auf aktuellen, objektiven Daten – ergänzt durch die Expertise der Verantwortlichen.
- Verlangt wird eine digitale Transformation. Wie gelingt diese Transformation in den Köpfen der Mitarbeitenden?
Digitale Transformation scheitert selten an Technologie, sondern an fehlender Akzeptanz. Entscheidend ist, den konkreten Nutzen für den Arbeitsalltag aufzuzeigen: Digitale Lösungen sollen entlasten, Transparenz schaffen und bessere Entscheidungen ermöglichen. Das gelingt durch frühe Einbindung der Mitarbeitenden, praxisnahe Schulungen und konkrete Anwendungsbeispiele mit spürbarem Mehrwert. Wenn Mitarbeitende erleben, dass digitale Tools ihre Expertise stärken statt ersetzen, entsteht Vertrauen. Transformation in den Köpfen bedeutet, Technologie als unterstützendes Werkzeug zu verstehen und gemeinsam neue, effizientere Arbeitsweisen zu etablieren.
- Kann KI helfen, den Fachkräftemangel zu überwinden?
Ja, KI kann den Fachkräftemangel in der Immobilienwirtschaft teils abfedern, ohne menschliche Expertise zu ersetzen. Sie übernimmt repetitive, datenintensive und zeitaufwändige Aufgaben wie Monitoring, Auswertungen oder Prognosen und entlastet Fachkräfte im Alltag. KI-gestützte Analysen von Gebäude-, Nutzungs- und Betriebsdaten – etwa mit #TalkToTheBuilding – ermöglichen schnellere und fundiertere Entscheidungen bei begrenzten personellen Ressourcen. Gleichzeitig wird vorhandenes Know-how besser skaliert. KI schafft Freiräume für Tätigkeiten, bei denen Menschen unersetzlich sind: Strategie, Kommunikation und Beziehungsmanagement.
- Welche Tätigkeiten der Immobilienbranche profitieren am meisten von KI?
Am stärksten profitieren datenintensive, wiederkehrende und prozessgetriebene Tätigkeiten. Dazu zählen insbesondere das Asset- und Portfolio-Management, etwa bei Performance-Analysen, Benchmarks, Szenarien und Prognosen. Auch im Property- und Facility-Management schafft KI Mehrwert: etwa durch automatisiertes Monitoring, frühzeitige Erkennung von Abweichungen oder vorausschauende Wartung. Ein weiterer zentraler Bereich ist die Flächen- und Nutzungsanalyse: KI hilft, Belegungen besser zu verstehen, Flächen effizient zu optimieren und Investitionsentscheide datenbasiert abzusichern.

Roger Gygli ist seit Juli 2017 Head of Digital Transformation von ISS Schweiz. In dieser Rolle hat er den Aufbau eines anerkannten Digital Lab massgeblich geprägt und erfolgreich neue digitale Services sowie innovative Geschäftsmodelle entwickelt und implementiert. Die digitalen Initiativen von ISS Schweiz wurden unter seiner Verantwortung mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Digital Economy Award. Roger Gygli ist ausgebildeter Ingenieur und verfügt über einen MBA der ETH Zürich sowie ein CAS in Digital Real Estate. Seit rund 20 Jahren beschäftigt er sich in unterschiedlichsten Rollen intensiv mit der digitalen Transformation.
5 Fragen an Ronny Haase: «Gerade in unsicheren Märkten wird KI zum Entscheidungsunterstützer, nicht zum Selbstzweck»
Dr. Ronny Haase ist Partner und Mitglied der Gruppengeschäftsleitung bei Wüest Partner sowie Verwaltungsratspräsident der Technologie-Tochterfirmen Datahouse und Qualicasa.
- Müssen Immobilien-Expert:innen heute auch Daten-Expert:innen sein?
Nein. Aber sie müssen datenfähig entscheiden können. Immobilien-Expertise bleibt der Kern – KI hilft, bessere und schnellere Entscheidungen zu treffen. Entscheidend ist nicht, wie ein Modell funktioniert, sondern ob man die Ergebnisse richtig einordnet und verantwortet.
- Worin erkennen Sie die grössten Herausforderungen bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz in der Immobilienwirtschaft?
Die grösste Hürde ist nicht die Technologie, sondern die Realität der Daten und Prozesse. KI wirkt nur dort, wo Ziele klar, Daten strukturiert und Verantwortlichkeiten definiert sind. Wer das ignoriert, wird von KI keine besseren Antworten bekommen – nur schneller falsche. Weitere Hürden liegen in der Datenqualität, Datenschutz, Know-how und Akzeptanz und nicht zuletzt auch in der Geschwindigkeit, wie sich die AI-Technologie weiterentwickelt.
- Für wen lohnt sich der Einsatz von KI-Lösungen in der Immobilienbranche besonders?
Für alle, die regelmässig investive oder strategische Entscheide treffen. KI entfaltet ihren Mehrwert dort, wo viele Einflussfaktoren zusammenkommen: Markt, Objekt, Nutzung, Regulierung. Gerade in unsicheren Märkten wird KI zum Entscheidungsunterstützer, nicht zum Selbstzweck. Besonders profitieren Akteure mit wiederkehrenden Prozessen, grossen Portfolios oder komplexen Entscheidungsgrundlagen – etwa in Bewertung, Asset- und Portfoliomanagement. Aber auch kleinere Unternehmen gewinnen, wenn KI gezielt Effizienz schafft und Fachpersonen entlastet.
- Wie werden Liegenschaften mittels KI strategisch optimiert?
Indem KI aus Daten konkrete Entscheidungsoptionen macht. Sie vergleicht Szenarien, bewertet Wirkungen und zeigt Konsequenzen auf – etwa bei Sanierungen, Nutzungsstrategien oder Portfolioallokationen. Der Mensch entscheidet, KI macht die Alternativen transparent. KI wird zum Simulations- und Entscheidungsinstrument für Eigentümer und Investoren.
- Entscheidend ist die Datenqualität. Ein Thema nur individuell für die Mitbewerber im kompetitiven Immobilienmarkt oder eine Branchenaufgabe?
Beides – aber ohne Brancheninitiativen bleibt der Hebel klein. Datenqualität ist Wettbewerbsvorteil und Gemeinschaftsaufgabe zugleich. Einzelne Unternehmen können optimieren, doch echter Mehrwert entsteht durch gemeinsame Standards, Vergleichbarkeit und Vertrauen in Daten. Ohne Kooperation bleibt das KI-Potenzial fragmentiert und teilweise ungenutzt. Schlussendlich hält KI dort Einzug, wo Entscheidungen, Daten und Verantwortung sauber zusammenspielen – nicht dort, wo man nur ein neues Tool einführt.

Dr. Ronny Haase studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Brandenburgischen Technischen Universität und promovierte an der ETH Zürich. Er ist Digitalisierungs- und Innovationsexperte mit über 20 Jahren Erfahrung an der Schnittstelle von Technologie, Daten und Immobilien. Er ist Partner und Mitglied der Gruppengeschäftsleitung bei Wüest Partner AG sowie Verwaltungsratspräsident der Technologie-Tochterfirmen Datahouse AG und Qualicasa AG. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die strategische Verbindung von Bewertungs-, Markt- und Geodaten mit modernen Technologien – insbesondere künstlicher Intelligenz. Mit der Plattform Wüest Dimensions und den firmeninternen AI-Systemen gestaltet er die digitale Transformation der Immobilienwirtschaft massgeblich mit. Seine Überzeugung: Künstliche Intelligenz ist kein kurzfristiger Hype, sondern ein nachhaltiger Hebel für Effizienzsteigerung, Automatisierung und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle in der Immobilienbranche.
5 Fragen an Prof. Dr. Andrea González: «KI ist weder ein Eldorado noch eine Black Box»
Prof. Dr. Andrea González ist Leiterin der Kompetenzgruppe Smart Building Management am Institut für Facility Management der ZHAW Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft.
- Ist KI Eldorado oder Black Box für die Immobilienbranche?
Für mich ist KI weder ein reines El Dorado noch eine Black Box. KI ist ein sehr leistungsfähiges Werkzeug: aber eines, das man verstehen und richtig einsetzen muss. Richtig angewandt, bringt KI deutliche Effizienz- und Qualitätsgewinne, etwa bei Prognosen, Analysen oder automatisierten Prozessen. Gleichzeitig birgt sie Risiken durch mangelnde Transparenz, schlechte Datenqualität oder fehlende Governance. Gerade komplexe Modelle wie Deep Learning sind nicht immer leicht nachvollziehbar. Deshalb setzen wir an der ZHAW Departement Life Sciences und Facility Management stark auf erklärbare KI, klare Verantwortlichkeiten und die Kombination digitaler Systeme mit menschlicher Fachkompetenz.
- Wo bringt KI einen Nutzen?
KI stiftet vor allem dort Nutzen, wo grosse Datenmengen im Betrieb oder in der Bewirtschaftung anfallen. Im Gebäudebetrieb reduziert KI Energieverbrauch, Kosten und Emissionen: etwa durch Lastprognosen, adaptive Regelstrategien oder prädiktive Optimierungen. In der Bewertung und Marktanalyse erhöht KI die Datenqualität: Modelle, die Lage-, Text- und Bilddaten kombinieren, verbessern die Genauigkeit von Bewertungen und Prognosen. Auch im Asset-, Property- und Facility-Management unterstützen KI-gestützte Analysen, automatisierte Workflows und Ausfallprognosen den effizienten Betrieb von Immobilien. Schliesslich profitieren auch Nutzer – etwa durch personalisierte Services oder Chatbots, die Kommunikation und Kundenerlebnis verbessern) Unsere Smart-Building-Management-Gruppe an der ZHAW untersucht genau diese Anwendungen: von der strategischen Ebene bis zum operativen Gebäudebetrieb: also aus der Portfolio-, Asset- und Facility Management-Perspektive.
- Wie können sich Unternehmen digitale Intelligenz aneignen?
Erfolgreiche Unternehmen starten nicht bei der Technologie, sondern bei klar priorisierten Anwendungsfällen. Die wichtigste Grundlage ist eine verlässliche Daten- und IoT-Infrastruktur: also die Fähigkeit, Betriebs-, Gebäude- und Nutzungsdaten sauber zu erfassen und zu verbinden. Danach braucht es interdisziplinäre Kompetenzen: Immobilienwissen, Data Science und IT müssen zusammenarbeiten. Weiterbildung spielt dabei eine zentrale Rolle.
- Welche Akzeptanz von KI erkennen Sie in der Immobilienbranche? Welche KI-Tools werden aktuell am häufigsten genutzt?
Die Akzeptanz von KI wächst, aber sehr unterschiedlich schnell. Grössere, professionell organisierte Portfoliohalter sind deutlich weiter als kleinere Verwaltungen oder Eigentümergemeinschaften. Hürden sind vor allem kulturelle Vorbehalte, Datenschutzfragen und oft eine unzureichende Datenqualität. In der Praxis werden KI-Modelle heute vor allem für Bewertungen, Marktprognosen, Energieoptimierung, Anomalie-Erkennung und Ausfallprognosen im Facility Management eingesetzt. Auch generative KI, etwa für Texte, Exposés oder Chatbots, verbreitet sich stark.
- Ihre Empfehlung: Wieviel Prozent ihres Umsatzes sollten Immobilienunternehmen heute in KI investieren?
Die Forschung vermeidet fixe Prozentvorgaben, aber sie zeigt klar: Kontinuierliche Investitionen in digitale Technologien sind ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Für viele Immobilienunternehmen ist eine Grössenordnung von 2 bis 5 % des Jahresumsatzes für datengetriebene Digitalisierung und KI oft sinnvoll – inklusive Infrastruktur, Weiterbildung und Pilotprojekte. Unternehmen mit hohem Innovationsfokus oder starkem Wachstum investieren zeitweise auch 5 bis 10 %, vor allem wenn, sie Datenplattformen oder Smart Building-Systeme aufbauen. Entscheidend ist weniger die genaue Zahl als die Frage, in welche Technologie investiert wird, also ob in Datenqualität, Automatisierung, Energiemanagement oder KI-gestützte Analyse.

Prof. Dr. Andrea González ist Leiterin der Kompetenzgruppe Group Smart Building Management am Institut für Facility Management der ZHAW Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft. Sie verfügt über mehr als 15 Jahre internationale Erfahrung in den Bereichen Städtebau, Immobilienentwicklung, Architektur, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Besonderen Fokus legt sie auf innovative Smart-Building-Strategien. Ihre Führungserfahrung reicht von der Projektleitung in Immobilienentwicklungsunternehmen bis zur Gesamtverantwortung als Head of Real Estate und Architektur bei der Firma Uster AG. Parallel zu ihrer praktischen Tätigkeit engagiert sie sich seit vielen Jahren in Forschung und Lehre. Sie hat in Madrid an der Universidad Politécnica studiert, in Madrid und Tokyo doktoriert und an der ETH in Zürich und an der Universität Liechtenstein Postdocs absolviert.
5 Fragen an Fabian Teichmann: «Aus Cybersecurity-Perspektive vergrössert KI die Angriffsfläche erheblich»
Dr. Dr. Fabian Teichmann ist Rechtsanwalt und Gründer und Managing Partner der Anwaltskanzlei Teichmann International (Schweiz) mit Standorten in St. Gallen, Zürich und Frauenfeld.
- Welches sind die rechtlichen Hürden für den Einsatz von KI in der Immobilienbranche?
KI-Systeme verarbeiten Mieterdaten, Verträge, Gebäudepläne und sicherheitsrelevante Informationen zu Liegenschaften. Dadurch greifen insbesondere Datenschutzrecht und IT-Sicherheitsvorgaben. Hinzu kommen Haftungsfragen: Wer trägt die Verantwortung, wenn KI-Systeme fehlerhafte Bewertungen, diskriminierende Entscheidungen oder sicherheitsrelevante Fehlsteuerungen in Smart Buildings verursachen?
- Und in welchen Bereichen hinkt der Rechtsrahmen den KI-Entwicklungen hinten nach?
Noch wenig konkret geregelt sind hochvernetzte, KI-gestützte Gebäudeautomationssysteme – insbesondere die Schnittstelle zwischen klassischer IT-Sicherheit und physischer Sicherheit (Zutrittskontrolle, Videoanalyse, Zugangssysteme). Auch zu «Cyber-Resilienz» in Immobilienportfolios – etwa Mindeststandards für Patch-Management, Incident Response oder die Absicherung externer KI-Dienstleister – existieren bislang nur fragmentarische Vorgaben. Viele Pflichten ergeben sich indirekt aus allgemeinen Sorgfalts- und Organisationspflichten, sind aber nicht spezifisch auf KI zugeschnitten.
- Welche Risiken gehen von KI aus?
Aus Cybersecurity-Perspektive vergrössert KI die Angriffsfläche erheblich: Angreifer können Schwachstellen in KI-Plattformen ausnutzen, Datenmodelle manipulieren oder über kompromittierte Schnittstellen Zugriff auf Gebäudeleitsysteme und Zugangskontrollen erlangen. Hinzu kommen Datenlecks, Identitätsdiebstahl, diskriminierende Entscheidungen bei Vermietung oder Finanzierung sowie Abhängigkeiten von wenigen, oft ausländischen Technologieanbietern. Für Immobilienunternehmen drohen dadurch Betriebsunterbrüche, Reputationsschäden und erhebliche Haftungsrisiken.
- Wie sicher und rechtskonform sind KI-Tools im Bereich Immobilienmanagement?
Viele KI-Tools sind technisch ausgereift, aber selten von Anfang an datenschutz- und sicherheitskonform konfiguriert. Standardlösungen berücksichtigen oft weder die Sensibilität von Mieterdaten noch die Kritikalität von Gebäudeinfrastrukturen. Ohne klare Vorgaben zu Datenhaltung, Verschlüsselung, Protokollierung, Zugriffsrechten und Cloud-Nutzung besteht das Risiko, dass rechtliche Mindeststandards zwar formal eingehalten werden, das tatsächliche Sicherheitsniveau jedoch unzureichend bleibt.
- Wie können und müssen Immobilienunternehmen in die Sicherheit von KI investieren?
KI-Projekte sollten wie sicherheitskritische Infrastruktur behandelt werden – mit einer verbindlichen Cybersecurity-Strategie, systematischen Risikoanalysen und klaren Verantwortlichkeiten auf Geschäftsleitungsebene. Konkret erfordert dies Investitionen in sichere Architektur (Netzsegmentierung, Verschlüsselung, Härtung von Smart-Building-Systemen), ein robustes Identitäts- und Berechtigungsmanagement, kontinuierliches Patch- und Schwachstellenmanagement sowie Notfall- und Wiederanlaufpläne. Ergänzend sind Schulungen, Lieferantenaudits und vertragliche Sicherheitsklauseln bei KI-Dienstleistern entscheidend, um rechtliche Pflichten und das aktuelle Bedrohungsniveau abzudecken.

Dr. Dr. Fabian Teichmann ist Rechtsanwalt, Gründer und Managing Partner der Anwaltskanzlei Teichmann International (Schweiz) AG mit Standorten in St. Gallen, Zürich und Frauenfeld. Mit der Teichmann International (IT Solutions) AG berät er Klienten im Bereich Cybersicherheit. Darüber hinaus ist er Buchautor und Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten und Hochschulen. Er hat in Mailand, Harvard und St. Gallen Wirtschaft, Recht und Informatik studiert und an der Universität Zürich in Rechtswissenschaften und an der Universität Kassel (Deutschland) in Wirtschaftswissenschaften promoviert. Er spricht Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Russisch.
Das Real Estate Symposium 2025 in Zürich zeigte, wie die fünf Fachkammern des SVIT – die SVIT five – im Zusammenspiel innovative und nachhaltige Strategien für das Lebenszyklus-Management von Immobilien entwickeln. Im Fokus standen zukunftsweisende Ansätze im Umgang mit Digitalisierung und veränderten Marktanforderungen, um die Branche aktiv mitzugestalten.
Lesen Sie jetzt den ganzen Artikel von Monika Bürgi Geng in der aktuellen Immobilia.
Im Vorfeld des Real Estate Symposiums 2025 zum Thema «Verantwortung & Wert im Lebenszyklus einer Immobilie» zeigt das Magazin Immobilia auf, wie die SVIT five als Kompetenznetzwerk ökonomisch und ökologisch erfolgswirksame Strategien im Lebenszyklus einer Liegenschaft findet.
„…ansonsten kommen und bleiben keine jungen Talente“ - 5 Fragen an Yannick Blättler
Yannick Blättler ist Unternehmer, Kreativkopf, Podcaster und Speaker und kennt die Ansprüche der Generation Z wie kaum ein anderer.
- Die Generation Z soll 2025 etwa 25 Prozent der weltweiten Arbeitskräfte ausmachen, in der Schweiz werden es gegen 20 Prozent sein. Gleichzeitig ist die Gen Z nicht an Standard-Jobs in traditionell geführten Unternehmen. Keine Chance mehr also für altmodische Unternehmen?
Wir können davon ausgehen, dass die Gen Z länger nach dem perfekten Rahmen suchen darf, damit sie Vollgas gibt. Altmodische Unternehmen sollten sich schleunigst wandeln, ihre Führungs- und Arbeitskultur neu denken und mutig in die Zukunft gehen, ansonsten kommen und bleiben keine jungen Talente. Dies wird für die meisten KMU ein Flaschenhals werden bis 2030.
- Warum schafft die Generation Z sowohl Leadership als auch Work-Life-Balance?
Gesunde Führung ist das entscheidende Schlagwort. Nur, weil man führt, heisst es nicht, dass man unendlich viele Stunden arbeiten muss. Die Gen Z geht reflektiert mit ihrer Arbeitszeit um, führt so instant und unkompliziert wie möglich und gestaltet die Arbeitsformen neu.
- Wie lange wird es eigentlich die 5-Tage-Woche noch geben?
Solange wir es volkswirtschaftlich tragen wollen – oder müssen – und keine Abstriche im gesamtheitlichen Wohlstand erleiden wollen. Technologie wird uns eher zur Viertage-Woche führen als die neuen Bedürfnisse der Generation Z. Es geht um den Output, nicht nur um den gewünschten Input. Das lernt die Gen Z auch bald.
- Die Generation Z begeistert sich für neue Technologien. Wird sie von diesen irgendwann ersetzt?
Alle, die ineffiziente Arbeit verrichten, werden irgendeinmal ersetzt. Davon können wir eigentlich nur träumen, denn um den gewünschten Output zu erzeugen, werden wir mehr Arbeitskräfte brauchen – Menschen und Maschinen. Die Begeisterung müsste somit noch grösser sein aus Sicht der Gen Z, denn Innovation muss stets gefördert werden.
- Wie gewinnen Unternehmen in der Immobilienwirtschaft die Fachkräfte von morgen für sich?
Diejenigen Immobilienunternehmen, welche bereit sind, Leute anzustellen, welche den bestehenden Job in den nächsten fünf Jahren komplett neu erfinden, werden gewinnen. Unternehmen, die Leute suchen, die den Job bereits 20 Jahre gemacht haben, werden verlieren. Junge wollen dort arbeiten, wo „New Work, New Tech und New Challenges“ stets vereint und optimiert werden.

„Immobilienbranche muss Berufsbilder und Arbeitsinfrastruktur erneuern“ - 5 Fragen an Markus Streckeisen
„Dazu gehört, die eigene Komfortzone zu verlassen“
Markus Streckeisen ist Unternehmer, Verwaltungsrat, Strategieberater und Studienleiter Real Estate Management an der Hochschule für Wirtschaft Zürich.
- Gibt es zuwenig Fachkräfte – oder sind die Jobs zu unattraktiv?
Es dürfte beides zutreffen. Erstaunlich viele Leute arbeiten unter ihrem Fähigkeitslevel und könnten mehr. Immer mehr Berufsbilder sind aber auch schlicht veraltet und immer weniger rekrutierbar.
- Wie passt das zusammen: Fachkräftemangel und Rückgang der Reallöhne?
Eigentlich gar nicht. Bei differenzierter Betrachtung stimmt die Aussage aber auch nicht. In Branchen mit grossem Fachkräftemangel nehmen die Reallöhne auch zu, beispielsweise in der Gastronomie.
- Was raten Sie der Immobilienbranche? Worauf ist zu achten, damit die Jobs attraktiv bleiben?
Die Immobilienbranche ist per se für Arbeitnehmende eine attraktive Branche. Sie muss aber zwingend an der Erneuerung der Berufsbilder und an zeitgemässen Arbeitsmitteln und zeitgemässer Arbeitsinfrastruktur arbeiten.
- Wird Künstliche Intelligenz das Problem des Fachkräftemangels lösen?
Teilweise, ja. Wenn für Menschen gefährliche Berufe und langweilige, repetitive Tätigkeiten automatisiert erledigt werden können, betrachte ich das als einen Gewinn für unsere Gesellschaft.
- Was raten Sie den Mitarbeitenden: Wie bleiben diese in Zeiten des raschen Wandels gesuchte Fachkräfte?
Wer sich fit hält, bleibt attraktiv – das ist im Berufs- wie im Privatleben so. Im Berufsleben sind stetige Weiterbildung und das Ausweiten des Erfahrungshintergrundes der Schlüssel. Dabei gehört es dazu, manchmal die eigene Komfortzone zu verlassen.
