Qualität, Qualität, Qualität

„Denken wir die Zukunft neu!“ lautete das Motto des Real Estate Symposiums 2022. Die Präsidenten der SVIT five, der fünf Fachkammern des SVIT, sagen, welche Faktoren für die Zukunftsgestaltung in ihrem Bereich entscheidend werden.

Gunnar Gärtner, Präsident Bewertungsexperten-Kammer SVIT

„Die Zukunft hat längst begonnen: die Bewertungsbranche hat sich professionalisiert. Wir als Bewertungsexperten-Kammer SVIT sind diesem Trend gefolgt. Tools und Marktresearch sind nur das Rüstzeug für den wichtigsten Faktor: die Kompetenz des Bewerters in zunehmend volatileren Teilmärkten. Den Qualitätsanspruch unserer Mitglieder fördern wir mit Weiterbildung und dem aktiven Erfahrungsaustausch in unserem Expertennetzwerk. Die Nachwuchsbewerter beziehen wir sehr aktiv ein, denn die nächste Generation lebt in der Zukunft, die wir gerade neu denken.“

Christian Hofmann, Präsident SVIT FM Schweiz

„Wir erleben aktuell in den Immobilen steigende Energiepreise, schnell veränderliche Nutzerbedürfnisse, flexibel nutzbare Flächen, neue Energieträger, neue Arbeitsformen und eine galoppierende Digitalisierung. Dazu gesellt sich ein akuter Fachkräftemangel. In diesem Kontext wird das FM fraglos an Relevanz gewinnen. Wir wollen uns weiter befähigen und Allianzen schmieden mit Nutzern und Eigentümern, um gemeinsam diesen Herausforderungen zu begegnen.“

Michel de Roche, Präsident Fachkammer Stockwerkeigentum

„Die Zukunft der Bewirtschaftung wünsche ich mir wie folgt:

– Einerseits wird die Digitalisierung weiter fortschreiten und den Bewirtschaftern viele Prozesse erleichtern, bzw. abnehmen, die bisher von Hand erledigt werden konnten. Anderseits wird die persönliche Kommunikation weiterhin wichtig sein, ja wohl noch wichtiger werden, damit der Bewirtschafter ‚am Puls’ der Gemeinschaft bleiben kann.

– Es wird immer wichtiger werden, dass die professionellen Bewirtschafter mit genügend Selbstvertrauen ihre Honorare so gestalten, dass die effektiven Leistungen auch gedeckt sind. Viele Bewirtschaftungsprofis klagen auf verschiedenen Ebenen: Sie haben zu viele Mandate. Sie haben zu wenig Mitarbeitende. Die zu erledigenden Arbeiten werden laufend mehr, ohne dass die Preise steigen. Es herrscht Preisdruck gegenüber der Konkurrenz. Aus meiner Sicht gibt es in dieser Situation nur folgende Lösung: Unrentable Mandate abgeben oder die Preise nachverhandeln; die Mitarbeiter besser entlöhnen und offensiver kalkulieren.“

Ruedi Tanner, Präsident Schweizerische Maklerkammer

„Ausgewiesene Makler-Kompetenz und höchste Beratungsqualität sind heute schon die zentralen Faktoren in der Immobilienvermarktung. Nur Maklerinnen und Makler, die sich an einem strengen Qualitätsmanagement orientieren, über wirkliche Fach-Expertise verfügen und damit ein klares Leistungsprofil zeigen, können ihren Kundinnen und Kunden in Zukunft Mehrwerte bieten. Mehrwerte: Genau danach verlangen Kundinnen und Kunden im hart umkämpften Immobilienmarkt.“

Thomas Wipfler, Präsident Kammer Unabhängiger Bauherrenberater

„Mit unseren Kompetenzen können wir unsere Auftraggeber mit intelligenten, datengestützten Systemen im Umgang mit der immer grösser werdenden Komplexität in Bauprojekten unterstützen. Und damit immer die für das Projekt bestmögliche Lösung finden.“

5 Fragen an Prof. Reto Föllmi

  1. Warum gibt und braucht es wirtschaftliches Wachstum?

Wachstum als Ergebnis von Forschungstätigkeit und unternehmerischem Handeln kann sich nur entfalten, wenn die Rahmenbedingungen günstig sind: Eine liberale Gesellschaft marktwirtschaftlicher Prägung, die Unternehmertum zulässt. Historisch und im internationalen Vergleich ist nämlich Wachstum eher die Ausnahme als die Regel. Eine Gesellschaft ohne Wachstum läuft Gefahr, sich in Verteilungskonflikten zu zerfleischen. Ohne Wachstum bedeutet Gewinn einer Unternehmung immer den Verlust von jemand anderem.

 

  1. Bringt Wachstum automatisch auch Innovation mit sich?

Wirtschaftliches Wachstum rührt aus dem Pionier- und Erfindergeist des Menschen. Wenn wir diesen zulassen, werden findige Köpfe immer nach neuen Lösungen suchen. Reines Mengenwachstum hat beschränkten Nutzen und ist wegen den endlichen Ressourcen limitiert. Ohne Innovation kann es darum kein nachhaltiges und anhaltendes Wachstum geben. Für qualitatives Wachstum gibt es eigentlich keine Grenze nach oben.

 

  1. Zeigt die Pandemie eher die Grenzen des Wachstums auf oder eher die Notwendigkeit?

Mit Sicherheit Letzteres. Die rasche Entwicklung von Impfstoffen zeigt gerade, wie wichtig Innovationen und Wettbewerb sind, um die Pandemie zu überwinden oder wenigstens einzudämmen. Jede Krise setzt auch immer neue Ideen frei. So hat uns die Pandemie die Risiken weltweiter Lieferketten vor Augen geführt. Viele Firmen diversifizieren ihre Lieferketten, um resilienter zu werden.

  1. Die Gegenwart ist für die Immobilienwirtschaft golden – warum soll sie die Zukunft neu denken?

Eigentlich spricht fast alles für Immobilien. Solange die Schweiz als Wirtschaftsstandort attraktiv bleibt, wird die Baubranche florieren. Auch im Pandemiejahr 2020 sind über 60’000 Personen in die Schweiz eingewandert. Mit durchschnittlich zwei Personen pro Wohnung brauchte es alleine im erst Corona-Jahr netto 30’000 neue Wohnungen. Und das Zinsumfeld ist für Immobilien immer noch günstig. Wenn die Inflation bleibt, steigen über kurz oder lang auch die Zinsen mit den entsprechenden Verwerfungen für die Immobilienpreise – risikolos ist die Situation also nicht. Wir dürfen aber nicht vergessen, längerfristig sind Immobilien zusammen mit Aktien der beste Schutz gegen Inflation.

 

  1. Nur wer sich entscheidet, verändert etwas: Was sind die grössten Treiber der Veränderungen in der Immobilienbranche?

Zuallerst stehen die Bedürfnisse des Kunden. Die Pandemie und die Erfahrungen des Home Office haben die Nachfrage nach Wohnraum, gerade auch fern der Zentren, stark erhöht. Dafür sind Büroflächen auf dem Prüfstand. Zweitens hat die Immobilienbranche, gerade mit Einsatz von IT und Artificial Intelligence, noch einen grossen Automatisierungsschub vor sich. Machine Learning-Methoden können gerade in Liegenschaftenhandel und -finanzierung die Abwicklung wesentlich vereinfachen. Weil Überbauungen aber immer Einzelobjekte sind, wird bei Immobilien immer noch viel Massarbeit bleiben. Und letztlich gibt es kaum eine Branche, in der Regulierungen und Vorschriften so eine starke Rolle für die Entwicklung spielen, denken wir nur an die Auseinandersetzungen um Lärmbelastungen. Hier sind neue Ideen und wohl vor allem politische Überzeugungsarbeit gefragt

5 Fragen an Tim Grotjahn

  1. Heute sind Daten das Gold von früher: Wie können Big und Smart Data im Immobilienmanagement eingesetzt werden?

Zunächst würde ich das Bild ergänzen und Daten als das Öl von früher bezeichnen. Da Gold in erster Linie Wertspeicher war, finde ich Öl stimmiger – denn aus Daten lässt sich im gleichen Umfang etwas Neues herstellen. So wie Öl und Benzin Motoren antreiben konnten und Fortbewegung ermöglicht haben, können Daten multiplikativ eingesetzt werden. Dabei haben sie noch den Vorteil, sich im Gegensatz zu Treibstoff nicht zu verbrauchen. Im Immobilienmanagement sind die Einsatzbereiche mannigfaltig. Vom technischen und kaufmännischen Gebäudemanagement über die Gebäudebelegung bis hin zur “User Experience”. Zu den heute schon bestehenden Datensätzen werden in Zukunft viele weitere hinzukommen.

 

  1. Aber woher die Daten nehmen?

Es werden immer mehr Sensoren auf den Markt gebracht, die eine Überwachung von Büroräumen ermöglichen. “Überwachung” ist bewusst gewählt, um auf den Konflikt von Persönlichkeitsrechten, Arbeitsrecht und technischen Möglichkeiten hinzuweisen. Sehr schnell wird diese Frage eine der Ethik und weniger eine der Verfügbarkeit. Rund um Immobilien gibt es darüber hinaus umfangreiche Datenmengen, die heute nicht genutzt werden, da sie selten an einem Ort zusammengefasst sind: Stromdaten, Daten der Gebäudesteuerung, Wasserverbrauch. Aber auch architektonische Details – und deren Auswirkung auf den Betrieb. Nicht zu vergessen, dass anders als bei Social Media-Plattformen keine Möglichkeit besteht, das Nutzerverhalten kontinuierlich zu tracken. Obwohl die Nutzerzufriedenheit im Fokus des Handelns steht, lässt sie sich selten kontinuierlich nachvollziehen. Dazu muss noch eine sinnvolle Lösung entworfen werden.

 

  1. Und wie werden diese Daten richtig analysiert?

Hierin besteht meiner Ansicht nach die besondere Herausforderung der Zukunft. Die schiere Menge von Daten wird sich ohne eine solide technische Infrastruktur nicht bewältigen lassen. Gleichzeitig muss bereits im Vorfeld überlegt werden, welches Ziel dadurch erreicht werden soll. Manche Daten eignen sich besser als andere, um Innovationen voranzutreiben. Eine Gefahr besteht darin, dass wichtige Details in einem aggregierten Datensatz verloren gehen können. Und natürlich, dass die Ergebnisse durch äussere Einflüsse in eine Richtung gehen, die aus den Modellen nicht erwartet wurde. In jedem Fall muss auch sichergestellt sein, dass die Organisation mit den Daten und Analysen umgehen kann. Allein die Verfügbarkeit ist noch keine Garantie für erfolgreiche nächste Schritte. Trainings sollten dabei auch die Brücke schlagen zwischen den methodischen Kompetenzen der Daten-Welt und den Spezifika von Immobilien.

  1. Werden in Zukunft Immobilien-Portfolios von künstlicher Intelligenz im Alleingang gemanagt?

Ein klares “Jein”. Gewisse Aspekte der Immobilien sollten heute bereits von künstlicher Intelligenz bewirtschaftet werden – ohne menschliche Intervention. Eine KI, die bestehende Mietverträge liest, bei “Lease Events” die Marktbedingungen prüft, die Bonität aller Parteien im Blick hat und anschliessend einen “Smart Contract” auf der Blockchain abbilden lässt, ist kein Szenario für 2040, sondern wäre heute bereits entwickelbar. Ich halte Menschen an der Stelle für unverzichtbar, wo nicht alle Faktoren bekannt sind und Überlegungen nur schwierig durch ein Modell zu erfassen sind. Dazu zähle ich komplexe strategische Projekte der Portfolioausrichtung.

 

  1. In welchen Bereichen der Immobilienwirtschaft sehen Sie unmittelbar Potenzial für den Einsatz von künstlicher Intelligenz?

Die Gebäudeautomation ist heute auf einem guten Niveau. Sobald man unterschiedliche Datentöpfe zusammenbringt, wird es noch interessanter: Gebäudezutritte und Nutzungs-Forecasts könnten gemeinsam mit Wetterdaten die Klimasteuerung verbessern. Wenn Nutzerinnen dann noch Feedbacks zum Komfort abgeben, lernt das System im Laufe der Zeit und wird immer besser. Dies dient dem Erlebnis und der Effizienz gleichermassen. Persönlich spannend fände ich die Entwicklung eines digitalen persönlichen Assistenten für Mitarbeitende, der anhand des Kalenders den richtigen Arbeitsort findet und bucht. Dabei stimmt er sich mit dem digitalen Gebäude ab und schafft ein bestmöglich individualisiertes Erlebnis. Hier kann dann entweder das Gebäude wissen, welche Essens- und Sportangebote es in der unmittelbaren Umgebung gibt und diese anbieten, oder der digitale Assistent erkennt sie und optimiert entsprechend. Alles in allem wird es eine spannende Zeit für die beschleunigte Digitalisierung der Immobilie!

5 Fragen an Luise Deiters

  1. Nur wer sich entscheidet, verändert etwas: In unserem Architekturbüro bin ich der Chef. Warum soll ich andere entscheiden lassen und für Veränderungen sorgen?

Die Welt wird komplexer und schnelllebiger, damit verändert sich auch der Kontext in welchem Sie Ihre Dienstleitungen erbringen. Ein Unternehmen sollte diese Veränderung antizipieren und sich rechtzeitig anpassen, um motivierte und kompetente Fachkräfte zu halten sowie um zeitgemässe und qualitative Dienstleistungen für die Kunden zu erbringen. Eine Person alleine kann bei so viel Komplexität und Veränderung kaum mehr den Überblick behalten. Ich bin überzeugt, dass Unternehmen den Herausforderungen der modernen Welt nur mit mitdenkenden und auch mitentscheidenden Mitarbeitenden gewachsen sind. Entscheidungen, die gemeinsam getroffen werden, werde zudem auch gemeinsam getragen.

 

  1. Als Immobilienmakler macht mir die Zukunft etwas Bauchweh. Wie soll ich unter dieser Voraussetzung diese Zukunft neu denken?

Gerade unter diesen Voraussetzungen muss ich aktiv werden. So komme ich aus der Ohnmacht in die Selbstwirksamkeit. Aus der persönlichen Ebene ist es wichtig, die Sorgen und Ängste wahrzunehmen und zu akzeptieren. Jeder Mensch, der es gut machen will, wird zwischendurch von Selbstzweifeln geplagt. Auf unternehmerischer Ebene kann Unterstützung von aussen hilfreich sein. Sei es nur, um die Ideen von Innen zu strukturieren und zu priorisieren oder bei Bedarf zu ergänzen.

 

  1. Bei unseren Stockwerkeigentümer-Versammlungen reagiere ich immer sehr emotional, es fällt mir schwer, sachlich zu bleiben. Was kann ich tun, um dauerhaft gelassener zu bleiben?

Manchmal reicht schon eine Haltungsänderung. Meistens werden wir emotional, weil wir uns durch das Gegenüber persönlich angegriffen fühlen. Die Haltung «niemand will mir etwas Böses, jeder schützt nur sich selbst» kann mir helfen, empathischer zu werden und damit auch sachlich zu bleiben.

  1. In meiner Arbeit als Immobilienplaner verzettle ich mich, habe Mühe, Prioritäten zu setzen, und mir gehen häufiger Dinge unter. Ich habe mich schon viel mit arbeitsorganisatorischen Themen auseinander gesetzt, es gelingt mir aber nicht ein neues System konsequent umzusetzen. Was kann mir helfen?

Verhaltensmuster zu verändern, braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Am Vielversprechendsten ist, sich eine konkrete Verbesserung vorzunehmen und diese während wenigstens drei Wochen zu trainieren, bevor ich die nächste Veränderung meines Arbeitssystem vornehme. Reminder können mir helfen, mich mehrmals am Tag an die neue Technik zu erinnern.

 

  1. Ich bin als Immobilienbewirtschafter ein Perfektionist. Das erschwert mir meinen Arbeitsalltag. Kann ich mich überhaupt verändern? Und wenn ja, wie?

Um sich nachhaltig zu verändern, hilft es, die Hintergründe meines Perfektionismus zu verstehen. Häufig ist dies eine Folge von tiefsitzenden Glaubenssätzen rund um die Zweifel des eigenen Selbstwerts. Bin ich genug, auch wenn ich Fehler begehe und unperfekte Arbeit abliefere? Durch verstärkten Einsatz versuchen viele, jeden Tag diesem inneren Gefühl des «Nichtgenügens» entgegen zu wirken. Diese Muster und die damit verbundenen Überzeugungen und Ängste im Alltag bewusst wahrzunehmen, ist ein erster wichtiger Schritt, sich davon zu befreien.

Derweil «Business Ecosystem» zu einem unternehmensstrategisch bedeutenden Modewort in der Finanzindustrie geworden ist, funktioniert der SVIT mit seinen fünf schweizweit agierenden Fachkammern schon länger als ein eigentliches Business Ecosystem. Die fünf Fachkammern des SVIT Schweiz – die Bewertungsexperten-Kammer, die FM Kammer der Schweizer Immobilienwirtschaft, die Fachkammer Stockwerkeigentum, die Kammer Unabhängiger Bauherrenberater und die Schweizerische Maklerkammer – finden gemeinsam Antworten auf alle Herausforderungen von Eigentümern und Investoren, Projektentwicklern, Architekten und Planern, Nutzern, Betreibern und Immobiliendienstleistern. Die fünf Fachkammern des SVIT Schweiz garantieren in Ihren jeweiligen Fachbereichen die höchsten Qualitäts- und Leistungsstandards.